Kritik an falscher Stelle?

Kritik an falscher Stelle?

Hier nehme ich Stellung zum Vorwurf gegen unser Tierheim (Bergedorf): Facebook Posting – Listenhunde-Nothilfe e.V.

Kritisch lese ich den Artikel vom Verein Listenhunde-Nothilfe e.V. am gestrigen Tag (10.08.20). Doch was mich noch mehr erschüttert, sind die vielen Antworten und Zustimmungen aus letzter Reihe. Es mag jetzt böse klingen, aber ich muss das hier mal klarstellen und hoffe auf Verständnis und das es eben nicht so ist, wie es dargestellt wird.

Nach Befragung aller Beteiligten des Teams hat es sich wie folgt zugetragen:

Am Samstag erhielten wir einen Anruf einer Frau, die uns Ihre Probleme mit ihrem Hund beschrieb.

Dies ist für uns erstmal keine Veranlassung in Panik auszubrechen, da solche Anrufe leider sehr häufig vorkommen. In der Regel stellt sich dann die Situation ganz anders dar und der Halter wäre gut in der Lage gewesen, dass Problem selbst zu lösen.

Natürlich gibt es dann auch die Anrufe, wo es eben doch nicht so einfach für den Halter ist, seinen Hund mit problematischen Auffälligkeiten in den Griff zu bekommen.


Da unsere Hundeanlage zum jetzigen Zeitpunkt bis auf wenige Plätze voll belegt ist und das zu 90 % mit Verhaltensauffälligen Hunden bis hin zu Hunden mit Gefährlichkeitseinstufung, haben wir nicht immer die Kapazitäten frei, um Personen zu helfen, die sich privat an uns richten.

Diese wenigen Plätze (momentan 3), können an einem Tag schnell durch Fundhunde belegt sein. Da wir Verträge mit umliegenden Kommunen haben, müssen wir dafür sorgen das immer ausreichend Plätze vorhanden sind. Dies ist nicht selten an einem kritischen Punkt.

Übrigens: In den letzten 3 Jahren haben wir ca. 200 Am.Staffs und Co. aufgenommen. Natürlich nicht alle verhaltensauffällig. Die verhaltensauffälligen Hunde kommen noch dazu. Und 10 Jahre Tierheim mit vielen Beschlagnahmungen und nächtlichen Einsätzen mit gestressten Hunden, die dann alles andere als bereitwillig mit uns mitgehen, sind für uns fast täglich Brot. Und von den Hunden spricht man nicht. Solltet ihr mal drüber nachdenken.

Kommen wir zurück zum Samstag. Hier baten wir darum doch bitte erst einmal einen Hundetrainer zu konsultieren, der eventuell die Situation besser beurteilen kann. Auch wurde versucht die Situation am Telefon zu verstehen und zu klären. Leider erwies sich das nicht als einfach, weil die Halterin dann doch unfreundlich und ohne Verständnis gegenüber dem Tierpfleger wurde. In einer solchen dargestellten Situation verständlich. Doch gerade dann sollte man erst einmal Ruhe reinkommen lassen, um ganz objektiv die Lage zu beurteilen.

Jetzt wird der ein oder andere sagen, da hättet ihr ja dann auch rausfahren können. Nur leider können wir nicht bei jedem Anruf rausfahren und uns ein Bild vor Ort machen. Dafür haben wir nur ein kleines Team, was im Tierheim sehr engagiert die Pflege der Tiere übernimmt. Und dies ist wirklich sehr zeitintensiv. Hier sehe ich die Zuständigkeit bei den Veterinärämtern.

Wir wiesen die Halterin darauf hin, dass wir das mit dem zuständigen Veterinäramt am kommenden Montag, den 10.08.20 klären müssten, ob ein Einschreiten durch uns nötig wäre. Auch die Gefährlichkeitsfeststellung durch die Polizei, wäre eine Möglichkeit für uns einzuschreiten. Das Telefonat wurde dann leider immer weniger produktiv und die Halterin legte dann einfach auf und ein weiteres Gespräch war so nicht mehr möglich gewesen. Am Nachmittag wurden wir dann um 15:09 durch die Polizei angerufen. Hier wurde die gleiche Sachlage angesprochen und der zuständige Mitarbeiter, der an dem Tag Rufbereitschaft hatte, rief nochmals bei der Halterin an. Hier verwiesen wie nochmals darauf hin, dass wir für private Abgaben momentan durch die starke Belegung, keine Kapazitäten frei haben.

Hier möchte ich kurz darauf eingehen was wir den so aufnehmen müssen und was wir freiwillig aufnehmen, um auch privaten Haushalten eine entsprechende Hilfe anzubieten.

In erster Linie haben wir Verträge mit den umliegenden Gemeinden, die uns auffordern Fundtiere aus entsprechenden Gebieten aufzunehmen. Dies gestaltet sich von Gemeinde zu Gemeinde recht verschieden. Einige Gemeinden fordern sogar die vorherige Absprache, wenn zum Beispiel eine Katze gefunden wurde. Dies ist sehr bürokratisch, willkommen in Deutschland, aber nun einmal für uns der Weg zum Tier. Auch für uns ist das nicht immer eine leichte Situation, da wir IMMER zwischen den Stühlen stehen. Der Finder möchte ein Tier zu uns bringen und wir müssen erstmal vertrösten bis wir die Zustimmung der Gemeinde haben.

Zum Glück ist dies die Ausnahme und bei vielen Gemeinden verlässt man sich auf unsere 10-jährige Erfahrung. Da wir nun einmal nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen für Fundtiere haben, können wir nicht wahllos Tiere aufnehmen. Wenn voll, dann voll. Auch wenn wir absolut verstehen können das dann ein Finder sauer ist, weil wir kurzzeitig die Fundaufnahme auf verletzte Tiere einschränken, um wenigsten dort die Versorgung sicher zu stellen. Da bin ich ganz bei euch. Aber zum Schluss findet sich immer eine Lösung.

Das Tierheim wächst und wir bauen hier fleißig um und an, um den Anforderungen zu entsprechen. Alles wird nach den Vorschriften des Veterinäramtes gebaut und eingerichtet. Doch das heißt nicht, dass wir nun mehr Tiere aufnehmen können. Ein deutliches „Nein“. Und das ist gut so. Denn ein Tierheim bleibt für mich immer noch ein Ort der Massentierhaltung. Auch wenn man alles Mögliche für seine lieben Schützlinge unternimmt damit der Aufenthalt so kurz wie möglich ist und so angenehm wie möglich. Doch hier sehe ich tagtäglich, dass egal was man macht, ein Tierheim/Tierschutzverein nur eine Unterbringung auf kurze Zeit sein sollte.

Um das Telefonat am Samstagnachmittag noch einmal aufzunehmen haben wir die Halterin darauf hingewiesen, dass sie die Polizei kontaktieren sollte, die dann vor Ort eine Gefährlichkeit des Hundes feststellen soll, um uns dann den Auftrag für eine Abholung zu erteilen. Auch machten wir darauf aufmerksam das der Sohn der Halterin dem Hund nicht unbekannt ist und vielleicht aushelfen könnte.

Um 16:29 hat die Polizeileitstelle nochmals angerufen und wir haben das Telefonat noch einmal geschildert. Hier haben wir der Polizei noch einmal deutlich mitgeteilt, dass wir uns bei der Sache nicht ganz wohl fühlen und wir baten darum das die Polizei sich vor Ort doch bitte ein Bild machen sollte.

Dann kam leider nichts mehr und wir legten die Vermutung nahe, dass die Lage wohl doch nicht so dramatisch ist wie sie geschildert wurde.


Das nun einmal aus unserer Sicht. Ich denke das hier leider an einem bestimmten Punkt die Kommunikation mit uns geendet hat. Vielleicht weil sich der Verein „Listenhunde-Nothilfe e.V.“ schon als Hilfe angeboten hat. Dies kann ich aber nicht bestätigen.

Jetzt noch mal an die kritischen Leser und Tierfreunde:

Ja was für eine Sauerei. Aber….

Wir haben die Halterin mehrfach darauf hingewiesen, wie wir unsere Hilfe anbieten können. Das wäre ein Telefonat bei der Polizei gewesen, mit der dringenden Hilfe eines potenziell gefährlichen Hundes. Wir haben jegliche Hilfestellung angeboten, die wir ausführen durften. Ob der Hund nun wirklich diese Gefährlichkeit aufweist kann ich nicht beurteilen. Aber nach dem was ich gelesen habe konnte aus dem Familienkreise geholfen werden.

Ich möchte um Gotteswillen die Halter nicht verurteilen oder in einem schlechten Licht dar stehen lassen aber ein wenig mehr Initiative am eigenen Hund erwarte ich schon. Vielleicht macht so eine Situation auch regungslos und man weiß nicht was man machen soll, doch häufig geht es erstmal auf einem anderen Weg. Es muss nicht immer erst ein Fass aufgemacht werden.

Und dies hat nichts mit Geld zu tun oder das wir nicht in der Lage sind einen verhaltensauffälligen Hund aufzunehmen. Insbesondere bestimmte Hunderassen, stellen hier kein Problem da und wir sehen hier jeden Hund ganz individuell mit ihren rassetypischen Verhalten. Hier im Tierheim Bergedorf, gibt es keine Vorurteile gegen bestimmte Rassen. Es geht nicht darum das wir nur Hunde aufnehmen, wenn der Rubel rollt. Nein, auch wir wollen helfen. Doch wir haben eben nur begrenzte Mittel und Möglichkeiten.

Nach so einem Posting hinterfrage ich schon, ob er gerechtfertigt ist oder nicht. Auch unsere Arbeit stelle ich dann auf den Prüfstand und versuche den Fehler zu finden.

Einen Sündenbock zu suchen und dann drauf einzuprügeln kann da einfach nicht der richtige Weg sein. Ich kann alles nachvollziehen und auch die Emotionen die dabei aufkommen. Doch eins sollte klar sein liebe Tierfreunde, nicht die Tierheime/Tierschutzvereine sind schuld. In den meisten Fällen ist auch der Halter meiner Meinung nach nicht der Schuldige und man sollte an sich von der Schuldzuweisung im Bereich der Tierhaltung abweichen. Wichtiger ist es doch gemeinsam einen Nenner zu finden. Wie einfach ist es mit dem Finger auf andere zu zeigen und sie zu denunzieren. Umso weiter ich weg bin um so einfacher ist das heutzutage möglich. Doch sollte man nicht vergessen wie viele Finger auf einen zeigen, wenn man andere beschuldigt.

In all den Jahren, die ich hier nun das Tierheim leite, habe ich viele Fehler gemacht aber auch vieles geändert damit es besser wird. Einige Dinge regen mich immer noch tierisch auf, wenn ich bei Behörden nachfrage ob man da nicht mal was hinbekommt. Immer die gleichen kurzen Antworten. Dies gilt insbesondere in Fällen wie bei besagtem Hund. Leider.

Irgendein Tierheim ist dann immer der „Schuldige Letzte“. Doch es liegt nicht immer daran das niemand helfen will. Die aktuelle Situation in unserem Tierheim z.B. hat sich in den letzten Jahren dermaßen gewandelt, dass es immer schwieriger wird Hilfe anzubieten, die außerhalb unserer vertraglichen Verpflichtungen stehen. Der „sogenannte Fundhund“ ist hier bei uns schon fast eine Seltenheit geworden. Beschlagnahmte Hunde aus schlechter Haltung oder durch Beißvorfällen füllen unsere Reihen. Ein zunehmend besorgniserregender Wandel. Teilweise verweilen die Hund Jahre bis es zu einer Vermittlung kommt. Rechtsstreit in den Anfängen, die sich über Monate hinziehen. Wir sehen dann nur z.B. den Welpen, der hier aus seiner Sicht ungerechterweise zu uns kommen musste, um hier seine Kindheit und ein Teil seiner Jugend zu verbringen. Was meint ihr wohl wie wir uns dabei fühlen. Durch die Justiz mit zwei verbundenen Händen auf dem Rücken, versuchen wir dem Tier gerecht zu werden, um die langsamen Mühlen des Rechtssystems entgegenzuwirken. Dann nach vielen Monaten dürfen wir dann den deutlich älteren Hund endlich vermitteln. Das wir dann der Prellbock sind, ist uns allen klar. Aber es wäre auch schön, wenn man mal einfach zuhört uns versteht.

Denn warum machen wir das alles hier? Wir wollen was verändern und wir wollen helfen. Wir stehen auch für unsere Fehler ein. Aber wir müssen uns nicht beleidigen lassen.

Sollte man nicht an einem Strang ziehen? Ich kann es durch aus verstehen, wenn der Verein „Listenhunde-Nothilfe e.V.“ da sauer wird, wenn man den weiten Weg auf sich nehmen muss, weil anscheinend alle wegschauen.

Wir haben nicht weggeschaut. Doch unser Hilfeangebot und wie man zu einem schnellen und einfachen Ergebnis kommen kann, wurde hier nicht wahrgenommen. Gut, dass es Vereine gibt die dann trotz alldem kommen und helfen. Das steht außer Frage. Doch sollte man dann bei einem kritischen Artikel alle Beteiligten befragen bevor man die Welt in Bewegung setzt.

Vielleicht lehne ich mich da gerade etwas aus dem Fenster und der ein oder andere wird meine Worte nicht verstehen oder denken, der hat sie ja nicht mehr alle. Da bleibt mir nur zu sagen, kommt her und wir reden hier im Tierheim ganz sachlich darüber und ihr werdet schnell verstehen, dass wir alle nur das gleiche wollen aber eben auch teilweise verschiedene Wege bestreiten. Und das ist auch gut. Eine gesunde Mischung, macht es uns möglich vernünftige Entscheidungen zu finden, um die Welt ein Stück besser zu machen.

Am Ende bleibt mir nur zu hoffen das die Vernunft am Ende siegt und der Hund ein neues gutes Zuhause bekommt, sich die Gemüter beruhigen und die Tierheime ihre Arbeit weiter machen können, ohne unnötig von außen bombardiert zu werden.

Gemeinsam kann man es schaffen.

Mit respektvollem Gruße

Mark